Zur Geschichte und Haltbarkeit des Fine Art Tintenstrahldrucks

:: Mit den schon legendären IRIS Graphics CIJ-Tintenstrahldruckern begann in den frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Ära des „Digital Fine Art Print“. IRIS-Drucker waren ursprünglich dafür entworfen worden, Proofs für die Druckindustrie herzustellen – aber keinesfalls dazu, langlebige Drucke für den Kunstmarkt zu produzieren. Aufgrund der gängigen Vorstellung, dass Tintenstrahldrucke sehr instabil seien, hatten Künstler zunächst Schwierigkeiten, Museen davon zu überzeugen, ihre Arbeiten zu kaufen.1 Die hohe Empfindlichkeit der frühen Farbstofftinten gegenüber Licht und Feuchtigkeit stigmatisierte den Tintenstrahldruck für viele Jahre. Doch seit den neunziger Jahren waren stetige Verbesserungen in der Drucktechnik bzw. der Druckqualität sowie bei den Materialien zu verzeichnen.dfa_geschichte_juergens_025_140x490

Neue Entwicklungen

Druckmedien wurden mit rasantem Tempo immer weiter entwickelt. Als Hersteller ernsthaft in den Amateurfotomarkt einsteigen wollten, wurden in deren Werbung Begriffe wie „fotorealistisch“ und „Fotoqualität“ zu Modewörtern. Um auf dem Fotomarkt erfolgreich zu sein, mussten die neuen Tintenstrahldrucke nicht nur so aussehen wie herkömmliche Fotoabzüge, sondern sich auch so anfühlen wie diese. Zu diesem Zweck wurden neu entwickelte, glänzende oder seidenmatte Beschichtungen auf PE-Papier-Träger aufgetragen. Diese neuen Fotomedien bleiben bis heute sehr erfolgreich im kleineren Desktop-Format wie auch im professionellen Großformat. Um den anfänglich notorischen Problemen mit der Lichtechtheit und Wasserempfindlichkeit von Tintenstrahldrucken zu begegnen, entwickelte man zu den neuen Papieren auch neue Tinten, die stets lichtechter wurden. Ebenso der Einsatz von so genannten Beizen in den Oberflächenbeschichtungen der Druckmedien, die die Farbstoffe chemisch binden konnten, war zunächst darin erfolgreich, die Drucke haltbarer zu machen.

Eine grundsätzliche Veränderung der Farbmittel war jedoch ausschlaggebend: die ersten, schwarzen Pigmenttinten, die Mitte der neunziger Jahre für die HP Deskjet 600 und 800 Modelle angeboten wurden, versprachen eine Lösung des Problems der Empfindlichkeit gegenüber Licht und Wasser. Um das Jahr 2000 folgten farbige Pigmenttinten,2 die allerdings unter einem eingeschränkten Farbraum litten – Künstler mussten sich zwischen der brillanten Sättigung der Farbstofftinten und der höheren Stabilität der Pigmenttinten entscheiden.3 Das Problem verlor mit zunehmendem Fortschritt in der Tinten- wie in der Papierherstellung nach und nach seine Brisanz. So wurden etwa Farbstoffe den Pigmenttinten beigemischt oder die einzelnen Pigmentpartikel mit Kunststoff ummantelt, um durch die Minderung des Streulichts an der rauen Pigmentoberfläche eine Vergrößerung des Farbraums zu erreichen.4 Die heutigen Pigmenttinten können einen ähnlich großen Farbraum erreichen wie Farbstofftinten, während umgekehrt manche Farbstofftinten eine ähnliche Haltbarkeit wie Pigmenttinten vorweisen.

Tinten

Tinten für wasserbasierte Tintenstrahlsysteme sind hochkomplexe Produkte. Sie bestehen aus einem Farbmittel (Farbstoff und/oder Pigment), einem Medium zum Transportieren des Farbmittels (oft Wasser und kleinere Mengen Lösungsmittel), und diversen Zusätzen (Bindemittel, Befeuchtungsmittel, pH-Modifikatoren, Antikorrosionsmittel, Konservierungsmittel, etc). Zutaten und Mischungsverhältnisse können je nach Anwendung stark variieren. Farbmittel sind synthetisch und, chemisch gesehen, meist rein organisch. Farbstoffe sind in ihrem Medium löslich und bestehen aus einzelnen Molekülen. Pigmente zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht in ihrem Medium löslich sind, sondern, weil sie einzelne Partikel bilden, als Dispersion verwendet werden müssen.
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Beschleunigte Alterungstests

Objektive und wiederholbare Messmethoden machen deutlich, wie sich die Stabilität von Tintenstrahldrucken zunehmend verbessert hat. Seit Mitte der neunziger Jahre hat sich eine Reihe von Tests etabliert, die von verschiedenen Betrieben, Forschungseinrichtungen und Herstellern ausgeführt werden. Da das jahrzehntelange Warten auf Verfall weder praktikabel noch wünschenswert ist, wurden beschleunigte Alterungstests entwickelt. Diese Tests sollen in kurzer Zeit die Veränderungen simulieren, die in einer langen Zeitspanne des natürlichen Alterns erwartet werden. Beschleunigtes Altern bietet uns auch die Möglichkeit, Verfallsmechanismen im Detail zu studieren. Mit diesem Wissen können wir Strategien entwickeln, die diese zerstörenden Reaktionen verhindern.

Gegenwärtige Tests untersuchen die Empfindlichkeit der Drucke gegenüber Licht und UV-Strahlung, Temperatur und relativer Luftfeuchte bei Dunkellagerung, flüssigem Wasser auf der Oberfläche, atmosphärischen Schadstoffen (z.B. Ozon), Blocking (Verklebung von Oberflächen im Stapel), Oberflächenabrieb und Versprödung. Zu einigen der Tests haben sich Forschungseinrichtungen und Industrie bereits auf genormte Prüfverfahren geeinigt, damit die Ergebnisse verglichen werden können – unabhängig davon, wer die Tests durchgeführt hat. Diese Normen werden entweder von nationalen Instituten (etwa DIN5, BSI6 oder ANSI7) oder von der International Organization for Standardization (ISO) beschlossen und herausgegeben. Die meisten Tests jedoch folgen derzeit nicht international vergleichbaren Abläufen, auch wenn sich die meisten Verfahren ähneln.

Die Ausarbeitung einer Norm bedeutet jahrelanges Forschen und wird von zahlreichen, teils kontroversen Diskussionen begleitet.8 Da die Entwicklung von Verbrauchsmaterialien und Drucktechnologien ungeachtet dessen fortschreitet, ergeben sich ständig neue Erkenntnisse, die eine Normierung verzögern. Besonders die Norm zum Lichtalterungstest hat sich als komplex erwiesen, weil weit mehr als nur die Lichtintensität die Testergebnisse beeinflusst. So werden Ausbleichen, Farbverschiebungen und Vergilbung, die üblichen Folgen einer Lichtalterung, von zahlreichen Faktoren, die im Versuchsaufbau berücksichtigt werden müssen, bestimmt: Qualität und Alter der Prüfmuster, Art und Intensität der Lichtquelle, Dauer und Kontinuität der Beleuchtung, Beständigkeit der Temperatur und Luftfeuchte des Umgebungsklimas, Luftbewegung an der Oberfläche des Prüfmusters, Zusammensetzung der Luft im Prüfraum und Art der Verglasung (mit oder ohne UV-Filter, Glas oder Acrylglas), falls vorhanden. Bei der Auswertung der Testergebnisse, die oft mit einer Hochrechnung von den beschleunigten Testbedingungen auf die angenommenen Normalbedingungen einhergehen, müssen zudem noch folgende Faktoren beachtet werden: Reziprozität (Sind die gemessenen Veränderungen stetig und linear oder eher sprunghaft?), Endpunkte (Ab welchem Veränderungsgrad gilt das Objekt als verfallen?) und Normalbedingungen (Wie sieht die angenommene normale Umgebung und Beleuchtung aus?). Je nachdem wie diese Faktoren bewertet werden, können für die gleichen Materialien sehr unterschiedliche Testergebnisse herauskommen. Es müssen also immer die Prüfbedingungen (z.B. Leuchtstoffröhren, 50,000 Lux [auf 450 heruntergerechnet], Fensterglas, 24 Stunden [auf 12 Stunden/Tag heruntergerechnet]) aufmerksam und kritisch gelesen und mit den tatsächlichen Bedingungen vor Ort (z.B. Halogenlampen, 100 Lux, UV-Verglasung, 8 Stunden/Tag) verglichen werden.dfa_geschichte_juergens_033_140x490

Trotz dieser komplexen Situation gibt es keine wirkliche Alternative zu den beschleunigten Alterungstests. Solange die Testbedingungen gleich oder annähernd gleich sind, können Ergebnisse durchaus miteinander verglichen werden, um eine relative Stabilität der verschiedenen Tintenstrahldrucke – auch im Vergleich zu anderen Druckverfahren wie die digitale Ausbelichtung auf Fotopapier oder Thermosublimation – zu erahnen. Das Image Permanence Institute (IPI), in Rochester, New York, gehört zu den international bekanntesten wissenschaftlichen Forschungsinstituten, die Alterungstests durchführen. Die US-amerikanische Firma Wilhelm Imaging Research (WIR) testet seit vielen Jahrzehnten fotografische Erzeugnisse und ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Öffentlichkeit von den Alterungstests Notiz genommen hat. WIR begann Mitte der 1990er-Jahre, IRIS-Drucke Lichttests zu unterziehen.9 Seit 1997 werden Testergebnisse von vielen verschiedenen Materialien online veröffentlicht.10 Eine deutsche Firma, Image Engineering Dietmar Wüller, hat ebenfalls vor einigen Jahren begonnen, digitale Druckmaterialien zu prüfen,11 und auch Hersteller führen ihre eigenen Tests durch. Ihre Wissenschaftler und Ingenieure nehmen an Normausschüssen teil, da sie nicht nur den technischen Hintergrund und die Nähe zu den Verfahren kennen, sondern auch Interesse daran haben ihre Produkte zu verbessern. Erkenntnisse aus den Alterungsstests, aber auch alltägliche Erfahrungen erlauben uns, Empfehlungen für den konservatorischen Umgang mit Tintenstrahldrucken zu formulieren.

Hantierung, Lagerung und Ausstellung

Zunächst sollte erwähnt werden, dass die oft geäußerte Vorstellung, beschädigte Ausdrucke könnten einfach noch einmal hergestellt werden, zumindest für den künstlerisch anspruchsvollen Bereich, nicht zutreffend ist. Bei dem schnellen Fortschritt in der Drucktechnologie, der Treibersoftware und in den Verbrauchsmaterialien ist es fast unmöglich, gleiche Ausdrucke innerhalb eines Jahres anzufertigen. Zudem müsste jedes technische Detail unmittelbar bei der Herstellung des Drucks schriftlich festgehalten werden. Von einer solchen technischen Beschreibung würden Sammler, Galeristen, Kuratoren, Restauratoren – und damit auch letztendlich die Künstler – profitieren. Je mehr ein Kurator über die verwendeten Tinten und Druckmedien eines Tintenstrahldrucks weiß, desto leichter können etwa Entscheidungen über die Beleuchtungsstärke und –länge bei einer Ausstellung getroffen werden. Auch für die Restauratoren der Zukunft wird es sehr hilfreich sein zu erfahren, ob z.B. eine Pigment- oder eine Farbstofftinte verwendet wurde, und welche genau diese war. Details dieser Art dienen im Auge aller Beteiligten der Aufwertung des Kunstwerks. Datenblätter für die Aufnahme dieser Informationen werden inzwischen von führenden Museen verwendet. Deutsch- und englischsprachige Exemplare sind online verfügbar.12dfa_geschichte_juergens_469_140x490

Beim Hantieren ist grundsätzlich zu beachten, dass Tintenstrahldrucke sehr empfindliche Oberflächen haben können. Besonders solche, die mit Pigmenttinten hergestellt wurden, sind meist abriebsanfällig, da die Pigmentpartikel zu groß sind, um in die Oberflächenbeschichtung einzudringen. Schrammen und Fingerabdrücke sind besonders bei matt beschichteten Papieren sichtbar, und gelten nach dem heutigen Wissensstand als nicht restaurierbar. Frühe IRIS-Drucke gelten als sehr wasserempfindlich, weil die verwendeten Farbstoffe wasserlöslich bleiben. Aus diesem Grund wurden sie oft mit einem Fixativspray behandelt, deren Anwesenheit aber bei einfacher Betrachtung des Bildes nicht festgestellt werden kann. In solchen Fällen wäre die Nutzung eines Datenblattes zu den verwendeten Materialien sehr hilfreich.

Für die Einlagerung werden pH-neutrale (d.h. säurefreie, aber nicht alkalisch gepufferte) Archivpapiere oder Seidenpapiere, oder aber unbeschichtete Archiv-Kunststoff-Folien (Polyester, Polyethylen, Polypropylen) empfohlen.13 Je nach Oberfläche des Druckmediums und Nutzung des Objekts kann zwischen verschiedenen Oberflächen gewählt werden – glatt oder rau, hart oder weich. Grundsätzlich sollte das Hüllenmaterial jedoch keine Oberflächenschäden verursachen. Das Einlegen wertvoller Tintenstrahldrucke in eigenen Hüllen, und diese wiederum in Schachtel oder Schubladen, bildet einen wichtigen Schutz vor Schäden durch die Umgebungsluft: hierzu zählen vor allem Oxidationsreaktionen durch Sauerstoff und Schadstoffe wie Ozon, die meist zu Vergilbungen oder zum Ausbleichen führen. Es sollte bedacht werden, dass Tinten und Druckmedien, vor allem die komplexen Tintenempfangsschichten, relativ gesehen, sehr neue Substanzen sind, deren Verfallsmechanismen wir noch nicht allzu lange studieren konnten.

Für die langfristige Erhaltung wird grundsätzlich empfohlen, Tintenstrahldrucke so kühl wie möglich, relativ trocken (35 bis 55% relative Luftfeuchte) und dunkel zu lagern. Für die Lagertemperatur gibt die Norm ISO 18920:2000 sehr strenge Vorgaben (maximal -3 Grad).14 Individuelle Lösungen aber richten sich immer nach den eigenen Ansprüchen und sollten mit einem Restaurator erarbeitet werden. Veröffentlichte Alterungstests deuten darauf hin, dass heutige Tintenstrahldrucke mit Pigmenttinten um ein vielfaches stabiler sind als Drucke mit Farbstofftinten von vor dem Jahr 2000, die dafür bekannt sind, auf Grund eines hohen Restanteils von Glykolen in den Tinten besonders in hoher Luftfeuchtigkeit auszubluten.15 | 16 | 17 Allerdings machen die Tests auch deutlich, dass nicht jede Pigmenttinte automatisch hohe Stabilität garantiert: die korrekte Kombination von Tinte und Druckmedium ist eines der wichtigsten Faktoren, die die langfristige Stabilität in der Dunkellagerung wie in der Ausstellung eines Tintenstrahldrucks ausmacht.

Auswahl von ISO Normen zur Erhaltung von Tintenstrahldrucken

ISO Normen können über http://www.iso.org bezogen werden.
• ISO 18902:2007. Imaging Materials—Processed Imaging Materials—Albums, Framing and Storage Materials
• ISO 18916:2007. Imaging Materials—Processed Imaging Materials—Photographic Activity Test for Enclosure Materials
• ISO 18920:2000. Imaging Materials—Processed Photographic Reflection Prints—Storage Practices
• ISO 18932:2005. Imaging Materials—Adhesive Mounting Systems—Specifications
• ISO 18934:2006. Imaging Materials—Multiple Media Archives—Storage Environment

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Bei Ausstellungen sollte bedacht werden, dass Licht und UV-Strahlung immer eine Belastung für Tinten, Beschichtungen und Papier darstellt. Die Datierung eines Tintenstrahldrucks wird hier eine große Hilfe sein: Drucke, die vor dem Jahr 2000 produziert worden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit farbstoffbasiert und daher lichtempfindlicher; bei neueren Drucken könnten auch Pigmenttinten verwendet worden sein. Wirklich wissen wird man es nur, wenn ein Datenblatt mit technischen Details vorliegt. Neben dem Ausbleichen von Farben und den damit oft verbundenen Farbverschiebungen können bei längerer und intensiverer Beleuchtung auch Beschichtungen vergilben oder optische Aufheller aufgebraucht werden, was ebenfalls zu einer leichten Vergilbung führt. Soweit es den ästhetischen Wünschen des Künstlers nicht widerspricht ist ein physischer Schutz der Oberfläche immer sinnvoll: hierzu zählt z.B. eine Rahmung hinter Glas.18 Gläser mit UV-Sperrfilter sind empfehlenswert – ihre schützende Wirkung hat sich auch in Alterungstests bewiesen. Vor jeder Einrahmung, aber auch vor jedem Verpacken sollten Tintenstrahldrucke immer mindestens 24 Stunden trocknen, damit nur ein Minimum an Restfeuchte mit eingeschlossen wird.

Schlussfolgerungen

Die Fotografie war schon immer von den sich weiter entwickelnden Technologien geprägt und die Einbindung von digitalen Systemen kann als eine solche Entwicklung betrachtet werden. Gleichzeitig haben Künstler oft experimentell digitale Bildbearbeitungs- und Druckverfahren aufgegriffen und in ihre Arbeit integriert. Zusammen mit ihnen sind auch Kuratoren, Galeristen, Archivare, Sammlungsverwalter und Restauratoren daran interessiert, möglichst hochwertige und stabile Drucke herzustellen. Alle Beteiligten stehen heute vor neuen Herausforderungen und müssen feststellen, dass es nicht möglich ist, den für alle idealen Tintenstrahldruck herzustellen. Dazu gibt es viel zu viele Drucker, Tinten und Papiere – und diese verändern sich stetig. Zudem spielen die gewünschte Farbgebung, der Glanz, die Stärke des Papiers eine wichtige ästhetische Rolle, welche nur der Fotograf oder Künstler treffen kann. Obwohl z.B. viele heutige Tintenstrahldrucke um ein vielfaches stabiler im Licht wie im Dunkeln zu sein versprechen als traditionelle, chromogene Farbabzüge (oft auch „C-Prints“ genannt), wählen doch noch immer viele Fotografen die digitale Ausbelichtung auf dieses Material, weil sie ihre charakteristischen Eigenheiten noch immer schätzen. Restauratoren und Wissenschaftler versuchen, den Tintenstrahldruck von der materiellen Seite her zu betrachten: Wie ist das Objekt beschaffen? Was macht die glänzende Oberfläche aus? Woraus bestehen Empfangsschicht und Tinte? Eine ausgiebige Charakterisierung beinhaltet das visuelle Untersuchen, die Anfertigung von Querschnitten, um den Schichtenaufbau zu studieren, das Vergleichen von verschiedenen Materialien und das Durchführen von Tests. Mit diesen Ansätzen können Identifizierungsschemata und Lagerungs- und Ausstellungskonzepte erarbeitet werden.19 Erst wenn zum Beispiel festgestellt werden kann, dass es sich bei einem Ausstellungsobjekt um einen Tintenstrahldruck mit einer bestimmten Pigmenttinte auf einem bestimmten Papier handelt, können Beleuchtungsintensitäten vorgeschlagen werden.

Für die Qualität der Drucker, der Treibersoftware und der Verbrauchsmaterialien sind zunächst die Hersteller verantwortlich. Erfahrene Druckwerkstätten sind es, die hochwertige Drucke herstellen können. Die Fotografen und Künstler liefern das Bildmaterial. Kuratoren, Galeristen, Sammler, Museen und Archive schätzen und schützen die Werke. Wenn alle weiterhin zusammenarbeiten, werden Tintenstrahldrucke viele Jahrzehnte, manche sogar Jahrhunderte überdauern und einen technischen wie bildnerischen Spiegel dieser spannenden Umbruchszeit bilden.

Fußnoten

1 R. Thompson, A. Manning und J. Townsend (Hrsg). Preservation and Conservation Issues Related to Digital Printing and Digital Photography, 24-29, London: Institute of Physics, 2006, S. 30.
2 Holbert, 2007, S. 51.
3 Holbert, 2007, S. 19.
4 Epson war die erste Firma, die diese Microencapsulation-Technologie im Jahr 2000 einführte (Minoru Usui, Hiroko Hayashi, Kazuhiko Hara und Tsuyoshi Kitahara. The Development of Pigment Ink for Plain Paper. In: IS&T’s NIP18: International Conference on Digital Printing Technologies, Mashiho Yuasa und Yee S. Ng (Hrsg), 369-373, Springfield, VA: Society for Imaging Science and Technology, 2002).
5 Deutsches Institut für Normung e.V.
6 British Standards
7 American National Standards Institute
8 Douglas W. Nishimura. Update: ISO-Normen zum Umgang mit fotografischen Materialien. In: Rundbrief Fotografie, Vol. 16, Nr. 2, 2009, S. 5-8.
9 Wilhelm, 2006.
10 Testergebnisse und andere Artikel können unter http://www.wilhelm-research.com kostenlos heruntergeladen werden. Wichtig bei der Bewertung der Testergebnisse ist es immer, die im Kleingedruckten vorhandenen Testbedingungen sorgfältig und kritisch zu lesen. Es lohnt sich immer die Frage, inwieweit sich die angenommenen Normalbedingungen auf die tatsächlich vorhandenen übertragen lassen.
11 http://digitalkamera.image-engineering.de
12 Unter http://www.martinjuergens.net sind im Download-Bereich das Formular „Photograph Information Record“ sowie das deutschsprachige „Datenblatt für die Herstellung oder den Verkauf eines Digitaldrucks“ kostenlos abrufbar.
13 Alle Materialien sollten den Vorgaben des ISO 18902:2007 (Imaging Materials—Processed Imaging Materials—Albums, Framing and Storage Materials) entsprechen.
14 ISO 18920:2000. Imaging Materials—Processed Photographic Reflection Prints—Storage Practices.
15 Aidan Lavery und Felix Schoeller. Dye Recognition in Ink Jet Photopapers. In: IS&T’s NIP19: International Conference on Digital Printing Technologies, Yee S. Ng und Andronique Ioannidis (Hrsg), 607-612, Springfield, VA: Society for Imaging Science and Technology, 2003, S. 608.
16 Henry Wilhelm und Mark McCormick-Goodhart. An Overview of the Permanence of Inkjet Prints Compared with Traditional Color Prints. In: IS&T’s Eleventh International Symposium on Photofinishing Technologies, Steven M. Howe und Daniel English (Hrsg), 34-39, Springfield, VA: Society for Imaging Science and Technology, 2000, S. 37-38.
17 Siehe auch vielfache Testergebnisse auf http://www.wilhelm-research.com.
18 Laminatfolien sind sehr populär und können sicherlich die Oberfläche des Tintenstrahldrucks effektiv schützen. Leider wissen wir jedoch noch immer wenig über die langfristigen Alterungserscheinungen vieler Laminatträger und –klebstoffe. Bekannt ist auf jeden Fall, dass Laminate aus Polyvinylchlorid (PVC) am schnellsten vergilben, schrumpfen und sich vom Objekt lösen können. Laminate aus Polyester und Polytetrafluorethylen (PTFE oder Teflon) sind weitaus stabiler.
19 Siehe auch: Martin C. Jürgens. The Digital Print: Identification and Preservation. Los Angeles: Getty Publications, 2009.

Weiterführende Literatur und Online-Resourcen

• Peter Adelstein. IPI Media Storage Quick Reference. Rochester, NY: Image Permanence Institute, 2004.
• Arthur S. Diamond und David S. Weiss (Hrsg). Handbook of Imaging Materials. New York: Marcel Dekker, 2002.
• Robert C. Durbeck und Sol Sherr (Hrsg). Output Hardcopy Devices. San Diego: Academic Press, 1988.
• Image Permanence Institute, http://www.imagepermanenceinstitute.org
• Image Permanence Institute. http://www.digitalsamplebook.org
• Image Permanence Institute. A Consumer Guide for the Recovery of Water-Damaged Traditional and Digital Prints. Rochester, NY: Image Permanence Institute, 2004.
• Image Permanence Institute. A Consumer to Traditional and Digital Print Stability. Rochester, NY: Image Permanence Institute, 2004.
• International Organization for Standardization (ISO), http://www.iso.org
• Harald Johnson. Mastering Digital Printing, 2. Auflage. Boston: Thomson Course Technology, 2005.
• Martin C. Jürgens. The Digital Print: Identification and Preservation. Los Angeles: Getty Publications, 2009.
• Helmut Kipphan. Handbook of Print Media: Technologies and Production Methods. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag, 2001.
• Bertrand Lavedrine et al. A Guide to the Preventive Conservation of Photograph Collections. Los Angeles: Getty Conservation Institute, 2003.
• James C. Owens. A Tutorial on Printing. The Society for Imaging Science and Technology, http://www.imaging.org/resources/web_tutorials/printing.cfm ohne Datum.
• The Society for Imaging Science and Technology (IS&T), http://www.imaging.org
• B. Thompson. Printing Materials: Science and Technology. Surrey, UK: Pira International, 1999.
• Edward Webster. Print Unchained: Fifty Years of Digital Printing. 1950–2000 and Beyond. A Saga of Invention & Enterprise. DRA of Vermont, 2000.

• Wilhelm Imaging Research, Inc. (WIR), http://www.wilhelm-research.com