Eine Ausstellung von Artificial Image Berlin, mit Arbeiten von
Yael Bartana, Amin El Dib, Jonathan Monk, Andreas Müller-Pohle, Scott Redford und dem Communication Breakdown Archive; kuratiert von Rafael von Uslar

Aufgang West | Kasino der FAHRBEREITSCHAFT | 30. April 2014 – 1. Juni 2014

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Geöffnet zu den obigen Zeiten und nach Vereinbarung

Spielraum: Unter einem Bild versteht man gemeinhin eine Fläche, die Raum bietet. Oft genug gehört dabei zum Bildgeschehen die nötige Raumtiefe und die ist wiederum eine Frage von Wille und Vorstellung im Sehen des Betrachters.
 
Zwischenspiel: Jenseits dieser Annahme, eine Bildfläche könne über Tiefe verfügen, lässt sich ein Bild auch als ein Konstrukt verschiedener Schichten verstehen, deren Beschreibungen ebenso an die geologischer Sedimentierungen erinnern können wie an Schnitte in biologische Massen und Materie, deren Seitenansichten den Blick auf das einander Überlagern verschiedener Substanzen und Strukturen ermöglicht. Solche Überlegungen ermöglichen es besonders dichte Strukturen in Wahrnehmung und Beschreibung zu entflechten, indem sie ein Aufeinanderfolgen verschiedener Ebenen bezeichnen und deren Verbindungen untereinander untersuchen.
 
Zwischenraum: Die Ausstellung nimmt eine Vorstellung von Bildlichkeit zu ihrem Ausgangspunkt, die ebenfalls in der Idee eines räumlichen Konstrukts gründet. Hier geht es um eine Ergründung unterschiedlicher Schichten von Bildlichkeit, Referenzen und Überlagerungen. Um diese zu beschreiben und einer näheren Betrachtung unterziehen zu können, soll eine Perspektive eingenommen werden, die diese Schichten als selbstständige Einheiten wahrnimmt. So ergibt sich eine Versuchsanordnung, die in ihrem Aufbau der Anlage von John Cages plexigrams1 folgt.

Die Ausstellung zeigt Bilder, die in zum Teil aufwendigen, zum Teil ironisch spielerischen Bezügen andere Bilder zur Vorraussetzung nehmen. So stehen „hinter“ dem Bild an der Wand eine Reihe anderer Bilder, die ein davor und oft auch ein danach an Bildlichkeit bezeichnen. Diese weiteren Bilder erscheinen in der Ausstellung nicht. Sie werden vielmehr vom Betrachter in den Zusammenhang dessen, was an der Wand zu sehen ist, auf assoziative Weise hinzu gedacht und herbei imaginiert. Der Ort des Betrachters, von dem aus er all dies sieht, ist – bezogen auf das Modell von John Cage – ein Platz auf dem Holzsockel zwischen den Scheiben. Sein erkennendes Sehen ermöglicht ihm dabei, die verschiedenen und eigenständigen Bildebenen, die sich seinem Verstand als transparent erschließen, mit-zu-sehen.

Fußnote

1 Ab 1969 schuf Cage eine Reihe von Objekten aus mit Buchstaben, Buchstabenfolgen und Zeichnungen bedruckten transparenten und eingefärbten Plexiglasplatten, die mit etwas mehr als einem Zentimeter Abstand zueinander in einen Holzsockel eingesteckt werden. Sieht man die Platten von vorn, so erscheint ein graphisches Zusammenspiel der aufgedruckten Zeichen mit erstaunlichem 3D-Effekt. Das, was vor- und hintereinander gestellt erscheint, lässt sich auf vielfache Art und Weise miteinander in Beziehung gesetzt zusammen-sehen.  Das wirklich Aufregende an diesen Objekten ist der Raum zwischen den Platten. Dieser bestimmt nicht nur maßgeblich die Tiefenwirkung und mögliche Veränderung in der Wahrnehmung der Bildzeichen. Dieser Raum erlaubt es, jede einzelne Platte als einen eigenen Bildgegenstand, eine eigenständige bildliche Realität wahrzunehmen. Von einer solchen Raumposition als imaginierter Betrachterstandpunkt geht die Ausstellung in ihren Überlegungen zu den gezeigten Bildern aus.