Leni und Herbert Sonnenfeld waren deutsche Photojournalisten, die sich 1939 zur Emigration in die USA gezwungen sahen. Ihr Werk stellt eine bedeutende Dokumentation jüdischen Lebens in Europa, den USA, Israel und Palestina dar. Das Archiv der Photographen befindet sich im Beit Hatfutsot Museum in Tel-Aviv. In ihrer Serie, The Missing Negatives of the Sonnenfeld Collection, greift Yael Batana auf Motive von Bildern der Sonnenfelds zurück, die zwischen 1933 – 1948 im damaligen Palestina und heutigen Israel entstanden. Die schwarz weiß Aufnahmen zeigen junge Männer und Frauen, die als Bauern, Arbeiter und Soldaten auftreten. Hier werden gutaussehende Menschen mit Posen in Szene gesetzt, die ihre Gesundheit, Jugend und Kraft betonen soll, mit dem Ziel Glück, Entschiedenheit und Tatkraft zu demonstrieren. Das solchermaßen inszenierte Pathos dient einer Heroisierung der von den Bildfiguren vorgestellten Rollen und unterstreicht deren gesellschaftliche Bedeutung. Yael Batana nimmt diese Bilder aus der Zeit der Gründung des Staates Israel zur Vorlage und stellt sie nach mit jungen Frauen und Männern, die im heutigen Israel leben, jedoch arabischer Herkunft sind. In der Anschauung sind die Bilder kaum von ihren Vorlagen zu unterscheiden. Allein, dass an die Wahrnehmung herangetragene Wissen, um die Herkunft der Dargestellten, verändert scheinbar alles und entwirft mit kritisch, ironischem Kunstgriff eine Aussage, die als Gegenentwurf zu den aktuellen politischen und kulturellen Verhältnissen, als utopisch anmutende Vision gelten kann.

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Diese „Neubesetzung“ von Bildern gelingt in diesem Fall besonders überzeugend, weil die Vorlagen zu einem Bildtopos gehören, der von einer erstaunlichen Offenheit seiner Instrumentalisierungsmöglichkeiten geprägt wird. Das heroische Rollenbild erfreut sich innerhalb der Photographie der 20er – 50er Jahre einer erstaunlichen Beliebtheit und internationaler Verbreitung, die auch mit einander vollkommen entgegen gesetzten politischen Vorstellungen kompatibel gewesen zu sein scheint. Es ist das Paradox eines politischen Bildes, das in seiner Konzeption, Anlage und formalen Gestaltung vollkommen offen für die unterschiedlichsten politischen Inhalte scheint.

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